Rezension: “Sturmherz” von Britta Strauss

Schon im März auf der Leipziger Buchmesse sind mir die Bücher des Drachenmond Verlags aufgefallen, weil ich die Cover so schön fand, und beinahe hätte ich mir eins gekauft. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als der Verlag anbot, mir ein Rezensionsexemplar zu schicken. Ich habe mir Sturmherz von Britta Strauss ausgesucht.

In einer Winternacht findet die sechzehnjährige Mari am Strand einen verletzten Seehund. Sie nimmt ihn mit nach Hause, um ihn zu verarzten … als er sich plötzlich in einen Menschen verwandelt. Louan ist ein Selkie, der Letzte seiner Art. Es dauert nicht lange und Mari hat sich Hals über Kopf in den fremdartig schönen Jungen verliebt. Auch Louan fühlt sich zu ihr hingezogen und ist die Einsamkeit der Meere leid. Während er versucht, sich an das Leben als Mensch zu gewöhnen, erweckt er die Aufmerksamkeit eines Wissenschaftlerteams, das den Selkie entführen und für seine Forschungen missbrauchen will. Die jahrhundertealte Feindschaft zwischen Menschen und Seehundmenschen flackert wieder auf.

Mari, die zusammen mit ihrem Vater eine Tropengärtnerei auf den Orkney-Inseln betreibt, wird im Roman gleich als schwarzes Schaf und verrückte Träumerin gekennzeichnet. Weder sie noch die anderen Figuren wirken auf mich wie ‚echte‘ Schotten. Allerdings bin ich noch nie auf den Orkneys gewesen und weiß nicht, ob ich mit Schottenklischees besser bedient wäre. Es handelt sich nun einmal um das Buch einer deutschen Autorin, deren Figuren ebenfalls recht deutsch erscheinen. Dem Genuss des Romans tut das keinen Abbruch – eher im Gegenteil.

Um es vorwegzunehmen: Sturmherz ist richtig schöne Romantic Fantasy, die sich wesentlich lebensnäher liest als ein gewisser amerikanischer Megaseller. Da ich eine Schwäche für Schottland, das Nordmeer und keltische Mythen habe (wie mein eigener literarischer Versuch in diese Richtung bezeugt), hat mich das Setting ganz besonders angesprochen. Das Buch besticht durch ein wunderbar atmosphärisches Cover. Auch das Buchinnere mit den verschnörkelten Kapitelüberschriften und Seitenzahlen, die mit einer Seehundsilhouette verziert sind, ist sehr liebevoll aufgemacht.

Und der Inhalt? Der Stil der Autorin ist anfangs leider etwas holprig und erinnert stellenweise an eine schlechte Übersetzung aus dem Englischen. Das gibt sich jedoch bald, sodass die Geschichte mich schnell in ihren Sog gezogen hat. Am besten hat mir gefallen, wie realistisch Britta Strauss Maris Gefühlswelt schildert. Gegen Ende habe ich richtig mit ihr mitgefiebert und war zum Schluss sowohl erleichtert als auch enttäuscht. Auch Louans Charakter ist gut gezeichnet und die Spezies der Selkie wird bei aller Magie überzeugend dargestellt und schlüssig erklärt. Bei Teenagerparties am Strand, auf denen Linkin Park läuft, schießt mir als alter Mittzwanzigerin schon der eine oder andere nostalgische Gedanke durch den Kopf.

Der Roman unterhält nicht nur, sondern hat mich auch berührt und ein wenig nachdenklich gestimmt. Für Leser, die Romantasy, deutsche Fantasy und Jugendbücher mögen, ist Sturmherz auf jeden Fall eine Kaufempfehlung.

Zögernd tauchte er aus dem Wasser auf. Zuerst sein Kopf, eingerahmt von schwarzem Haar, dann die Schultern. Sein Blick brannte auf meiner Haut, als er dem eiskalten Meer entstieg. Ich rührte mich nicht, atmete nicht. Seine Brust, sein Bauch und seine Hüfte wurden enthüllt. Es war, als materialisierte er sich aus der See, erschaffen aus Kälte und Gischt.

sturmherz_britta_strauss_cover

Britta Strauss: Sturmherz
Drachenmond Verlag, Leverkusen 2012
343 Seiten, Softcover
ISBN 978-3-931989-77-4
€ 14,90

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