Gespräch mit Julia Lange über den Weltenbau für “Irrlichtfeuer”


Julia:
Das Problem als Ingenieur ist, dass es immer diese kleine Stimme im Kopf gibt, die Realismus, Machbarkeit und Logik von Ideen hinterfragt. Mechanische Schwingen akzeptierte diese Stimme schnell. Andere Dinge zweifelte sie so lange an, bis auch hier etwas Handfestes entstanden ist.
So ist Magie in der Welt von „Irrlichtfeuer“ keine Begabung, die vererbt oder erlernt wird, sondern eine Verunreinigung mit Irrlicht, einer Art Erdgas, das als Energiequelle, zur Beleuchtung und zur Verschönerung eingesetzt wird.
Schwieriger wurde es dann mit den speziellen Fähigkeiten, die daraus resultieren: Feuer beschwören bei einem brennbaren Gas im Körper? Kein Problem. Telepathische Fähigkeiten wie Gedankenlesen? Definitiv nicht. Magische Schilde? Könnte klappen. Heilzauber? Eher nicht. Auch wenn die Stimme im Hinterkopf immer wieder wisperte, dass Magie nie hundertprozentig logisch und realistisch sein kann, hatte ich irgendwann ein stimmiges Konzept, das zur Geschichte passte.

Hannah:
Und dieses ungewöhnliche und in sich stimmige Magiekonzept war es, was mir an „Irrlichtfeuer“ sofort gefallen hat. Ich bin – wie die meisten Leute, die im Lektorat arbeiten – keine Ingenieurin, aber ich fand mühelos Zugang zu Julias Welt und ihrem Schauplatz Ijsstedt, weil sich die Magie beim Lesen so natürlich anfühlt und gleichzeitig eine wunderbare Atmosphäre erzeugt wird. Das Irrlicht ist zwar hochgiftig, besitzt aber eine kühle Schönheit. Nicht umsonst wird das Gas im Roman ja auch zur Dekoration verwendet, während sein wahres Potenzial noch unerforscht ist.

(c) Julia Lange / Anke Koopmann

(c) Julia Lange / Anke Koopmann

Julia:
Auch wenn das Potenzial des Irrlichts noch unerforscht ist, so hat es Ijsstedt bereits so weit verändert, dass der Stadtstaat die ersten Schritte in Richtung Moderne und Industrialisierung gemacht hat. Es war faszinierend zu recherchieren, was real existierende Städte in solchen Zeiten für Entwicklungen durchgemacht haben.
Vor allem die rasant steigenden Einwohnerzahlen haben das Entstehen von Ijsstedt beeinflusst. Recht schnell hatte ich das Bild von Straßen vor mir, in denen man die kleinen, verwinkelten Fachwerkhäuser durch mehrstöckige Mietshäuser ersetzt hat. Das hat sich dann auf den Entwurf der Karte ausgewirkt, bei der alles mit einer Altstadt anfing, von der sich die neuen Viertel ausgebreitet hatten.
Aber auch bei den anderen Aspekten Ijsstedts war mir Realismus wichtig: Eine Stadt mit derart vielen Menschen kann nicht nur aus den mit Irrlicht geschmückten Palästen und Villen bestehen.

Hannah:
Ich finde es toll, dass „Irrlichtfeuer“ die politischen Konflikte aufgreift, die mit der beginnenden Industrialisierung einhergingen. Die armen Bevölkerungsschichten nehmen es nicht länger hin, dass sie von der Macht und dem Wohlstand, die das Irrlicht mit sich bringt, ausgeschlossen werden und fordern Gehör. Das ist recht ungewöhnlich in einem deutschsprachigen Fantasyroman.
Ähnlich bemerkenswert ist die Protagonistin Alba. In der Fantasy für Erwachsene finden sich noch immer überwiegend männliche Helden (nur in der Romantic Fantasy ist das anders), sodass Albas Perspektive etwas Erfrischendes hat. Dazu ist sie eine interessante Persönlichkeit, die ständig gegen ihre körperlichen Einschränkungen ankämpft.

Julia:
Ich muss gestehen, ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf Alba gekommen bin. Aber während des Schreibens ist immer deutlicher geworden, dass es ihr vor allem um Freiheit geht: Sie möchte – wenn auch nur temporär – den Fesseln ihres kranken Körpers genauso entkommen wie den gesellschaftlichen Regeln.
Generell faszinieren mich eher die Protagonisten, die keine strahlenden Helden sind. Daraus ist nicht nur Albas dunklere Seite hervorgegangen, sondern auch weitere Charaktere, die alle ihre eigenen Probleme, Sorgen und Wünsche haben und mit deren Verfolgung sich erst gegenseitig und dann die ganze Stadt beeinflussen.
Interessanterweise ist das Geschlecht der Protagonisten für mich meist zweitrangig, da es mir um den Charakter und das Wesen eines Menschen geht. Eine Frau macht für mich den Einstieg jedoch meist etwas einfacher – und Alba hätte es als Albert viel zu leicht gehabt.

Hannah:
Ich hoffe jedenfalls, dass die Leute da draußen „Irrlichtfeuer“ genauso gern lesen werden, wie ich es getan habe.

© Julia Lange und Hannah Brosch 2016



Dieser Text wurde zuerst auf dem Blog von Knaur “feelings” veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Verlags.

Mehr zu Julia Lange: https://www.julialange.de/

“Irrlichtfeuer” ist überall dort erhältlich, wo es Bücher gibt.

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Zen Cho über die Inspiration zu ihrem Roman “Die Magier Seiner Majestät”

Wie bei allen Büchern hatte ich für “Die Magier Seiner Majestät” ganz verschiedene Inspirationsquellen.

Ich liebe die Regency-Liebesromane von Georgette Heyer, weil sie so locker und lustig sind – die perfekte Lektüre, wenn man krank im Bett liegt oder gerade schlecht gelaunt ist. Ich wollte ein ähnliches Buch schreiben, aber ich wollte auch, dass Drachen darin vorkommen. (Es gibt zwei Sorten von Menschen: diejenigen, die gerne in allen ihren Büchern Drachen hätten, und die anderen. Über letztere wollen wir kein Wort mehr verlieren.)

Ich bin auch ein großer Fan von P.G. Wodehouse. Ihre Helden sind meistens bemitleidenswerte junge Dandys, die von ihren tyrannischen Tanten dazu verdonnert werden, irgendeinen Blödsinn anzustellen.

Allerdings hatte ich auch schon länger über den britischen Imperialismus nachgedacht. Woher kam die Macht der Briten, und wie schafften sie es, sie aufrechtzuerhalten? Als ich geboren wurde, war es noch keine dreißig Jahre her, dass mein Heimatland Malaysia die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangt hatte. Anders ausgedrückt: Bei meiner Geburt war der malaysische Staat jünger als ich jetzt. Mein ganzes Leben lang habe ich halb unbewusst die Auswirkungen des britischen Imperialismus gespürt.

Ich bin mit Büchern von britischen und nordamerikanischen Autoren großgeworden, in denen Figuren manchmal als „dark“ beschrieben wurden. Als Kind hat mich das verwirrt, denn in Malaysia verwenden wir das Wort „dark“ für Menschen, die dunkelhäutig sind. Aber selbst als Kind war mir klar, dass es in Büchern nur Weiße gibt.

Später verstand ich, dass „dark“ in diesen Büchern „dunkelhaarig“ bedeutete. Da kam mir zum ersten Mal die Idee, dass es interessant wäre, ein Buch in England in der Vergangenheit anzusiedeln und einen dunkelhäutigen Protagonisten darin vorkommen zu lassen.

Und so entstand in meinem Kopf die Geschichte von Zacharias Wythe, dem ersten aus Afrika stammenden „Königlichen Magier“. Er ist ein Schwarzer im London des neunzehnten Jahrhunderts, der über außergewöhnliche Macht verfügt – aber er hat auch jede Menge Schwierigkeiten, weil Macht nicht nur davon abhängt, was für Zaubersprüche jemand beherrscht, sondern auch vom gesellschaftlichen Status.

Als Zacharias sich bereit erklärt, einem Freund zu helfen – einem armen Dandy à la P.G. Wodehouse – trifft er Prunella Gentleman, eine ehrgeizige junge Waise, die ein magisches Ausnahmetalent ist. Doch in ihrer Welt dürfen Frauen aus den höheren Schichten keine Magie ausüben.

Das ganze Buch hindurch versucht Zacharias, die bestehenden Machtstrukturen zu verändern. Prunella hingegen interessiert sich nicht für Machtstrukturen – wenn es nicht anders geht, erreicht sie ihre Ziele auch durch Täuschung oder rohe Gewalt. Mit Zacharias und Prunella wollte ich das typische Liebesroman-Pärchen auf den Kopf stellen: Zacharias ist geduldig, sanft und nett, Prunella ist eingebildet, stur und eine ziemliche Angeberin. Die Interaktion zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Persönlichkeiten hat mir beim Schreiben sehr viel Spaß gemacht – und ich hoffe, dass auch die Leser ihren Spaß daran haben werden.

Vieles, was über mein Buch gesagt und geschrieben wurde, konzentriert sich auf die Themen Rassismus und Kolonialismus. Diese Themen haben mich auf jeden Fall beeinflusst – aber meine Geschichte soll auch unterhalten. Ich wollte ein Buch schreiben, das man lesen kann, wenn man krank im Bett liegt. Die Art von Buch, die ich als Kind gelesen habe, aber mit Figuren, die mir ein bisschen ähnlicher sind. Und natürlich mit Drachen!

© Zen Cho 2016

Aus dem Englischen übersetzt von Hannah Brosch

Dieser Text wurde zuerst auf dem Blog von Knaur “feelings” veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Verlags.

Mehr zu Zen Cho und ihren Büchern: http://zencho.org/

“Die Magier Seiner Majestät” ist überall dort erhältlich, wo es Bücher gibt.

Valerie Colberg über die Welt ihres Romans “Talvars Schuld”

Das alte Rom ist wie eine Vorabendserie, nur besser: Alles ist wirklich passiert, und dann geht’s auch noch richtig um die Wurst! Wohin man schaut, erzählen die antiken Texte von internationalen und privaten Dramen. Sie sind für mich seit Jahren die liebste Inspirationsquelle für meine selbst erfundene Fantasy-Welt.

Vor allem die jungen Männer der römischen High Society hatten es nicht leicht. Die Anforderungen, die an sie gestellt wurden, waren unfassbar hart. Sie mussten sich in jeder Hinsicht beweisen: auf dem Schlachtfeld, in der Politik (die bisweilen das schlimmere Schlachtfeld war), als Redner vor Gericht und privat. Geheiratet wurde natürlich nicht aus Liebe, sondern mit Blick auf den persönlichen Vorteil. Und kaum verheiratet, zeugte man die nächste Generation, um sie im gleichen gnadenlosen Kreislauf zu verheizen.

Was aber, habe ich mich gefragt, wenn jemand aus einer stinkreichen, einflussreichen Familie einfach nur ein ganz normaler Typ ist? Der nette Kerl von nebenan, der bloß ein bisschen Spaß und ein zufriedenes Leben will? Wenn es besonders schlecht für ihn läuft, überlegte ich weiter, würde sich so ein junger Mann wohl auch noch in das falsche Mädchen verlieben, zum Beispiel in die Tochter eines politischen Feindes seiner Familie. Und was dann? Wird er den Erwartungen seiner Familie treu bleiben? Oder wird er sich auf die Seite des Feindes schlagen?

Aus diesen Gedanken entstand die Idee für „Talvars Schuld“. Mein Protagonist Kadevis lebt in einer Welt, die in vielen Punkten – nicht in allen – ans antike Rom angelehnt ist.* Im Laufe der Zeit habe ich mehrere Romane in dieser Welt angesiedelt. Immer wenn ich sie besuche, lerne ich Figuren kennen, über deren Leben ich mehr wissen möchte. Es ist praktisch, seine eigene Welt zu haben: Man muss sich nicht an die Vorgaben der wirklichen Geschichte halten (denn die Realität kann einem die besten Plots vermasseln), und es gelten nur die Regeln, die man zulässt.

Aber zurück zu Kadevis.

Er hat zwar das Glück, aus einer mächtigen und einflussreichen Familie zu stammen, doch seine Eltern sind tot, umgekommen bei einem verlorenen Feldzug (eine Schande!). Auch wenn er vom Familienoberhaupt, seiner furchteinflößenden Tante, adoptiert wurde, wird er niemals denselben Status einnehmen wie deren leiblicher Sohn. Trotzdem gibt es, abgesehen von seiner Tante, nicht viel, was ihm Sorgen bereitet. Unbekümmert treibt er einer unbekannten Zukunft entgegen, mehr an Parties und an Wein interessiert als an Politik – bis ihm ein Mentor vor die Nase gesetzt wird: Malkar, genannt der Bluthund, ein knallharter Mann, schillernd, charismatisch, erbarmungslos. Malkar soll Kadevis’ politischer Karriere auf die Sprünge helfen. Und dazu hetzt er seinen Schützling direkt auf den narbenübersäten Schrecken seiner Kindheit, den Mann, der den Tod von Kadevis’ Eltern verschuldet hat: den ehemaligen Feldherrn Talvar. Kadevis soll den Feind seiner Familie zu Fall bringen und so die Ehre seiner Eltern wiederherstellen, um die eigenen Karrierechancen zu verbessern. Als Kadevis Talvar jedoch näher kennen lernt, stellt er fest, dass der Mann keineswegs so schrecklich ist, sondern eher bedauernswert. Und zu allem Überfluss verliebt er sich auch noch Hals über Kopf in Talvars bezaubernde Tochter.

Bald weiß Kadevis überhaupt nicht mehr, auf wessen Seite er eigentlich steht. Er zweifelt an allem: Hat Talvar den Tod seiner Eltern tatsächlich verschuldet? Und ist Malkar, sein Mentor, wirklich an Kadevis’ Wohl interessiert oder verfolgt er eigene Pläne? Es hilft nichts, Kadevis muss sich entscheiden, wem er sein Vertrauen schenkt – aber wenn er einen Fehler macht, wird er das Leben aller Beteiligten ruinieren.

Ich habe diese Geschichte geliebt! Jeden Morgen (ich bin eine Morgenschreiberin) habe ich es genossen, in die Welt der Figuren einzutauchen. Obwohl ich das Ende bereits kannte, war ich selbst oft gespannt, wie es weitergehen würde. Ich war richtig traurig, als der Roman abgeschlossen war. Das war an meinem Geburtstag; ich habe zur Feier des Tages eine altmodische Kaffeemühle gekauft.

Während des Schreibens habe ich Portraits von den Figuren gezeichnet. Am liebsten mag ich das von Talvar (siehe Bild).

Wenn ich mir für diesen Roman etwas wünschen soll, dann: Die Leser mögen so viel Spaß beim Lesen haben, wie ich beim Schreiben hatte!

Eure Valerie

*So gibt es zum Beispiel keine Sklaverei, und in der Politik arbeiten auch Frauen. Genau, Frauen! Die Debatten im Senat haben auch ohne sie schon für jede Menge Sprengstoff gesorgt, aber wie viel aufregender, wenn die Versammlungen auch noch zum Schauplatz für den Kampf der Geschlechter werden können!

© Valerie Colberg 2016



Dieser Text wurde zuerst auf dem Blog von Knaur “feelings” veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Verlags.

Mehr zu Valerie Colberg und ihren Büchern: http://kaja-evert.de/

“Talvars Schuld” ist überall dort erhältlich, wo es Bücher gibt.

Ju Honisch über die Hintergründe ihres Romans “Seelenspalter”

Manchmal wird man als Schriftstellerin gefragt, wo man denn seine Ideen hernimmt. Das ist eine schreckliche Frage, denn hätte man eine geheime Quelle für Ideen, sollte man diese tunlichst nicht verraten.

Ideen sind einfach mit einem Mal da. Bisweilen kommen sie aber auch über Umwege. Bei „Seelenspalter“ war das so.

Zur Erklärung: Ich mache auch Musik, schreibe Lieder im Phantastik-Bereich. Ich hatte also vor Jahren dieses Lied geschrieben, „Sweet Poison“ hieß es und erzählte die Geschichte einer wunderschönen Frau, die mordend durch das Land zieht und für ihre Opfer tanzt, sie betört, sie umgarnt und umstrickt. Bis zu deren Ableben.

Ein Lied ist selbst bei mir, die ich für lange Geschichten bekannt bin, eine eher kurze Angelegenheit. Die Situation wurde nur angerissen. Die Schöne tanzte – die Zuschauer starben. Es gab kein Warum. Keinen Grund. Keine Erklärung und schon gar keine Entschuldigung.

Aber es gab eine „Story“. Und die verlangte nach einer Erklärung und einem Hintergrund. Sie wollte geschrieben werden.

So entstand „Seelenspalter“, die Geschichte von der einen Frau mit den zwei Seelen, von denen eine den sicheren Tod bringt. Zur Mörderin hat man sie erzogen, und diese Erziehung war so allumfassend, dass Maleni ihre Berufung nie hinterfragt, bis – und hier setzt die Handlung ein. Denn bei einem Auftrag begeht sie einen Fehler. Ihre andere Seele macht diesen Fehler bewusst, aus einem winzigen Rest Mitleid heraus, das man ihr ansonsten genommen hat.

Eine grausame Geheimgesellschaft hat Maleni zur Assassinin gemacht – sie und viele andere. Alle waren sie junge Kriegswaisen in einem Reich, in dem sich seit Jahrhunderten acht Teilreiche um die Vorherrschaft bekriegen. Seit dem Untergang des Gesamtreiches ist das so. Es gibt keinen Frieden, und es scheint fast, als wäre irgendeine Macht unablässig damit beschäftigt, den steten Streit aufrechtzuerhalten.

In den endlosen Kriegswirren, in denen Wissen und Kultur längst der Grausamkeit und der Unkultur zum Opfer gefallen sind, fällt das niemandem auf. Niemand hat den Weitblick, eine Gesamtsituation zu erfassen – zumindest nicht über das nächste Bündnis oder den nächsten Bündnisverrat hinaus. In dem fanatischen Streben, den Krieg zu gewinnen, denkt jeder nur an die nächste Schlacht und den nächsten Vorteil.

Doch wo die Zivilisation stirbt, da haben alle schon verloren.

„Seelenspalter“ ist ein Fantasy-Roman, der auf einer erfundenen Welt spielt. In diesem ersten Buch der Reihe „Klingenwelt“ lernen wir erst einmal nur einen Kontinent kennen. Die Bewohner dort haben andere noch nicht entdeckt. Für sie ist der zerklüftete Kontinent mit den vielen vorgelagerten Inseln ihre ganze Welt.

In einer neuen Welt gibt es für eine Autorin immer viel „Weltenbau“ zu bewerkstelligen. Ein historischer Hintergrund muss her, Flora, Fauna, Landschaft, Infrastruktur, Brauchtum, Religionen. Wenn ich eine Welt erfinde, weiß ich mehr über sie, als im Buch letztlich erscheint. Ich verleihe der Welt die Realität, die ich selbst brauche, um in diesem Umfeld zu schreiben. Wenn ich an den Kontinent Predorenn denke, habe ich eine feste Vorstellung davon, wie es dort aussieht. Ich weiß, wo sich die Gebirge befinden und welche Tiere gefährlich sind.

Und die Menschen?

Menschen sind Menschen. Die Menschen von Predorenn sind nicht anders als wir. Der Verlust von Zivilisation und Wissen ist nichts, das es in unserer Welt nicht auch gegeben hätte. Reiche sind entstanden und verschwunden. Manchmal rätselt man, warum. Die Gründe sind in Predorenn so vielschichtig wie bei uns: bornierte Ignoranz der Machtbesessenen, Ereignisse, die man nicht kontrollieren kann, Fehlentscheidungen jener, die sich für unfehlbar halten.
Phantastik muss spannend sein und umfassend erzählen. Doch wer Phantastik mag, weiß, dass sie auch ein wenig dazu ist, der Wirklichkeit den Spiegel vorzuhalten. Auch bei uns gab es schon Waisenkinder, die zu Mördern erzogen wurden. Es ist noch nicht so lange her.
Was Maleni, der Assassinin, in „Seelenspalter“ geschieht, werde ich hier nicht beschreiben. Dazu gibt es das Buch.

Und natürlich gibt es das Lied.

„Sweet Poison“

Text: http://jukaty.filk.de/poison.html

Musik: http://musicsales.filk.de/track/sweet-poison

© Ju Honisch 2016



Dieser Text wurde zuerst auf dem Blog von Knaur “feelings” veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Verlags.

Mehr zu Ju Honisch und ihren Büchern: http://www.juhonisch.de/

“Seelenspalter” ist überall dort erhältlich, wo es Bücher gibt. Eine Fortsetzung, “Blutfelsen”, ist bereits angekündigt.

SERAPH-Siegerinnen

Mit dem diesjährigen SERAPH-Literaturpreis ausgezeichnet wurden:

Julia Lange für “Irrlichtfeuer” in der Kategorie “Bestes Debüt”
und Katharina Seck für “Die silberne Königin” in der Kategorie “Bestes Buch”.

Ich freue mich sehr für die beiden Siegerinnen!