Phantastik-Autoren-Netzwerk (PAN)

Gefühlt ist es zwar schon ewig her, aber tatsächlich war ich erst letzte Woche beim Branchentreffen des Phantastik-Autoren-Netzwerks, kurz PAN. Das ist ein noch junger Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, deutschprachige VerlagsautorInnen, die Phantastik schreiben, besser zu vernetzen. Ich bin Fördermitglied, wie man hier sehen (oder auch nicht sehen) kann:

Die Mitglieder des Phantastik-Autoren-Netzwerks (April 2016)

© PAN e.V.

Das Treffen, bei dem nicht nur Autoren, sondern auch Lektoren, Verleger, Übersetzer, Blogger, Buchhändler, Wissenschaftler und andere Phantastik-Schaffende zusammenkamen (darunter auch der eine oder andere “Promi”), um über Themen wie das Verhältnis zwischen Phantastik und Feuilleton, Nachwuchsförderung und die Zukunft zu diskutieren, war alles in allem eine interessante, sehr nette und lohnenswerte Veranstaltung, die ich nächstes Jahr gerne wieder besuchen will. Ausführliche Berichte davon finden sich z.B. auf dem Blog der Autorin Sabrina Železný.

Meine Eindrücke vom SERAPH 2015

Sophie Hollmann bat mich um einen Erfahrungsbericht zum SERAPH 2015. Hier also meine Eindrücke von der Juryarbeit, der Preisverleihung und der Preisträgerlesung.

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, in der Jury mitzuhelfen. Es war schön, mal wieder “fertige” Bücher zu lesen – wenn man im Lektorat arbeitet, wird das leider selten – und die Bandbreite dessen kennenzulernen, was es im Moment an deutschsprachiger phantastischer Literatur auf dem Markt gibt.

Da ich für das Beste Debüt mitgelesen habe, war es mit einer Longlist von sieben Titeln auch weniger Arbeit, als ich erwartet hatte. Die Jury für den Besten Roman hatte immerhin doppelt so viele Titel zu lesen, ganz zu schweigen von den über siebzig Einsendungen, aus denen die Phantastische Akademie mit einer Handvoll Leuten die Vorauswahl getroffen hat.

Die ausgewählten Romane waren sehr unterschiedlich, und obwohl mir natürlich einige besser gefallen haben als andere, waren sie alle interessant zu lesen. Beim Lesen habe ich mich fast gar nicht mit anderen Jurymitgliedern ausgetauscht, sondern so gut es ging auf mein Bauchgefühl gehört. Natürlich habe ich mir auch strategische Gedanken gemacht: Braucht dieses Buch bzw. dieser Autor den SERAPH überhaupt oder braucht der SERAPH vielleicht dieses Buch? Hilft dieser Roman dabei, zu zeigen, wie facettenreich Phantastik ist und wie innovativ sie sein kann? Letztlich war aber mein persönliches Lesevergnügen ausschlaggebend für meine Bewertung.

Die Stimmabgabe war einfach. Ich musste lediglich einige Punkte verteilen und keine ausführlichen Beurteilungen schreiben. Nachdem die Shortlist mit drei Titeln stand, musste ich diese erneut in die favorisierte Reihenfolge bringen.

Keine zwei Wochen später fand schon die Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse statt. Oliver Graute und Natalja Schmidt haben eine sehr schöne Rede gehalten (kurz angerissen hier), in der sie die politische Dimension von Phantastik betont haben, die man leider nicht oft genug betonen kann, und an den wunderbaren Terry Pratchett erinnert, der traurigerweise just an diesem Tag nach langer Krankheit verstorben ist. Es gab Sekt und Cupcakes und die Möglichkeit, mit anderen Jurymitgliedern und den Leuten von der Phantastischen Akademie ins Gespräch zu kommen.

Abends bin ich noch zur Preisträgerlesung im Foyer der Stadtwerke Leipzig gegangen, die als Hauptsponsor dafür sorgen, dass der Preis für das Beste Debüt mit zweitausend Euro dotiert werden kann. Die Lesung war ein gelungener Kontrapunkt zu dem trubeligen Messetag und eine gute Gelegenheit, den Siegertitel in der Kategorie, in der ich nicht mitgelesen hatte, näher kennenzulernen. Die beiden ausgezeichneten Autoren erwiesen sich auch als begabte Vorleser: Akram El-Bahay mit “Flammenwüste” (erschienen bei Bastei Lübbe), der den Preis für das beste phantastische Debüt gewann, und Kai Meyer mit “Die Seiten der Welt” (erschienen bei Fischer), dem diesjährigen Besten Buch. Beiden Autoren gratuliere ich ganz herzlich.

Es war ein toller Abend und ich freue mich sehr, dass ich dabei sein durfte. Dafür danke ich Oliver Graute und Natalja Schmidt.

In meinen Augen ist der SERAPH wichtig für die Branche und die Szene. Es wäre daher schön, wenn er in Zukunft noch mehr Unterstützung erfahren würde – finanzieller, tatkräftiger und moralischer Art.

Fotos von der Preisverleihung und weitere aktuelle Informationen findet ihr hier.