Rezension: “Verfallen – Folge 2: Fassaden” von ASP

Der zweite Teil das Konzeptalbums Verfallen der “Gothic Novel Rockband” ASP ist nun erschienen. Wie Teil 1 dreht sich auch Verfallen – Folge 2: Fassaden um das monströse Hotel Astoria und wurde inspiriert von der Kurzgeschichte “Das Fleisch der Vielen” des erfolgreichen Phantastik-Autors Kai Meyer. Das schaurig-schöne Design des Albums stammt wieder von Joachim Luetke.

Musikalisch zeigen sich ASP weniger experimentell und facettenreich als auf dem ersten Teil, bieten dafür aber eingängigere Melodien und mehr rockige Klänge. Düsternis und Schwermut dominieren, ausgedrückt auch durch das Geigenspiel von Ally Storch (sehr schön bei dem Instrumentalstück “Bitte nicht stören!”) und Vincent Sorg am Klavier bei “Ich bringe dir nichts mehr”.

Paul ist nach wie vor dem Geist des Leipziger Grand Hotels verfallen und begeht für seine Angebetete einen Mord nach dem anderen. Fast unbemerkt ziehen die Jahrzehnte an ihm vorbei, wird die Weimarer Republik zum Dritten Reich und zur DDR/BRD. ASP verknüpfen Pauls persönliches Schicksal mit dem der Nation, stellen den rückratlosen, schweigenden Mörder als politischen Typus dar (besonders deutlich bei “Unwesentreiben”), der bis zum bitteren Ende allein aus Eigennutz handelt und keinerlei Mitgefühl mehr kennt.

Spoiler: Nachdem Paul schließlich erkannt hat, dass Astoria ein Trugbild ist und er sie niemals besitzen wird, löscht er sie aus. Zum Schluss gilt seine Trauer seinem eigenen ungelebten Leben und mitnichten seinen Opfern.

Dennoch übt das langsame, unweigerliche Scheitern dieser grausigen und bizarren “Beziehung” eine starke Faszination auf den Hörer aus. Verfallen – Folge 2: Fassaden steht Verfallen – Folge 1 in nichts nach und dürfte auch den ASP-Fans gefallen, die die erste Folge musikalisch zu ambitioniert fanden. Daher wieder eine Kaufempfehlung.

Anspieltipps: “Bitte nicht stören!”, “OdeM”, “Köder”, “SouveniReprise”

Ich danke Mindguerilla für das Rezensionsexemplar.

asp_verfallen2_cover

 

ASP: Verfallen – Folge 2: Fassaden
Trisol Music Group, April 2016
Limited Novel Edition: € 29,95
Standard Edition: € 16,95

(Die Rezension bezieht sich auf die Standard Edition.)

Mehr unter: https://www.aspswelten.de/

 

Titelliste:

Fortsetzung folgt … 2 (Vorspann)
Bitte nicht stören! (Intro)
Unwesentreiben
OdeM
Zwischentöne: Höhepunkt
Das Kollektiv
Hinter den Flammen
Zwischentöne: Abfall
Köder
Ich lösche dein Licht
Ich lösche dein Licht (Reprise)
Ich bringe dir nichts mehr
Umrissmann
SouveniReprise

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Rezension: “Verfallen – Folge 1: Astoria” von ASP

Ich bin durch meine Schwester auf ASP gekommen, als sie in der Oberstufe war, und ich erinnere mich, wie eine gute Freundin und ich an der Uni das „Krabat“-Lied rauf und runter gehört haben … das waren noch Zeiten. Mit meiner Schwester war ich damals auch auf mehr als einem Konzert, was mir in bester Erinnerung geblieben ist.

Danach habe ich ein paar Alben verpasst, nur am Rande mitbekommen, dass die Bandbesetzung sich geändert hat. Dies ist – für mich – das erste Werk der Band in neuer Besetzung und ihr erstes Konzeptalbum seit dem „Krabat“-Album Zaubererbruder von 2008. Verfallen ist als Zweiteiler angelegt, Verfallen – Folge 2: Fassaden soll im April 2016 erscheinen. Inspiration für das Album war die bisher unveröffentlichte Kurzgeschichte „Das Fleisch der Vielen“ des erfolgreichen Phantastik-Autors und SERAPH-Preisträgers Kai Meyer, die exklusiv im Booklet der Limited Edition von Folge 1 abgedruckt ist.

Überhaupt, das Booklet. Das ist vielmehr ein opulentes, schaurig-schön von Joachim Luetke illustriertes Hardcover und passt besser in den Bücherschrank als ins CD-Regal (altmodische Menschen sollen ja beides noch haben). Allein optisch ist Verfallen ein Album, das es sich zu kaufen lohnt und an dem Bibliophile ihre Freude haben werden.

Inhaltlich spinnen ASP, die sich mit der selbstgewählten Stilbezeichnung „Gothic Novel Rock“ schon immer literaturaffin gezeigt haben, eine grausige und packende Geschichte um das Hotel Astoria in Leipzig. 1915 errichtet und lange Zeit das erste Haus am Platze, steht der Prachtbau, in dem einst DDR-„Größen“ ein und aus gingen, seit Mitte der 1990er Jahre leer.

ASPs musikalische Erzählung spielt im politisch turbulenten Jahr 1919, als es den Kriegsheimkehrer Paul nach Leipzig verschlägt. Paul, ein einsamer Außenseiter, fühlt sich vom Astoria geradezu magisch angezogen – nicht ahnend, dass unter dem gigantischen Gebäude eine düstere Entität lauert, mit der er bald Bekanntschaft machen wird.

Kai Meyers zugrundeliegende Kurzgeschichte liest sich am besten im Anschluss an das Album und handelt von Jana, einer jungen Antifa-Anhängerin. Nach einer missglückten Demo flüchtet sie sich ins Hotel, wo besagte Entität offensichtlich bis in die Gegenwart überdauert hat. Oder war das Ding im Keller am Ende doch nur eine Wahnvorstellung?

Musikalisch zeigen ASP sich auf dem Album sehr ambitioniert und mit einem breiten Repertoire. Neben den vertrauten Rock- („Astoria verfallen“, „Souvenir, Souvenir“) und Elektro-Elementen („Begeistert“) bietet Verfallen Anklänge an Chanson („Ich nenne mich Paul“) und Tango („Lift“), was perfekt zum Geist der heraufbeschworenen Epoche passt.

Nicht alle Melodien überzeugen mich völlig, auch die Texte von Asp Spreng lassen stellenweise etwas Eleganz vermissen (so etwa im Intro „Himmel und Hölle“). Für mich reicht Verfallen nicht ganz an das von mir heiß geliebte „Krabat“-Album heran; dennoch bietet dieses neue Werk jede Menge Highlights. An den Schlüsselstellen erreicht die Verbindung von Worten und Musik eine beeindruckende Intensität, die beweist, dass ASP zu den besten deutschsprachigen Bands der Gegenwart gehören. Ich merke auch, wie mir das Album mit jedem Hören besser gefällt. Also: klare Kaufempfehlung.

Die Limited Edition umfasst noch eine schöne Bonus-CD, auf der zwei Lesungen von Kai Meyer sowie zwei davon inspirierte Akustik-Songs von ASP enthalten sind.

Anspieltipps: “Zwischentöne: Ich nenne mich Paul”, “Astoria verfallen”, “Dro[eh]nen aus dem rostigen Kellerherzen”, “Loreley”

Ein PS mit einem kleinen Spoiler: Warum muss am Ende mal wieder eine schöne, käufliche Blondine umgebracht werden? Gähn. Ich hoffe, dass Hannelore im zweiten Teil wiederaufersteht und irgendwas Cooles macht.

Ich danke Mindguerilla für das Rezensionsexemplar.

asp_verfallen1_cover

ASP: Verfallen – Folge 1: Astoria
Trisol Music Group, Oktober 2015
Limited Novel Edition: € 29,95
Standard Edition: € 16,95

(Die Rezension bezieht sich auf die Limited Edition.)

Mehr unter: https://www.aspswelten.de/


Titelliste:

Himmel und Hölle (Kreuzweg)
Mach’s gut, Berlin!
Zwischentöne: Ich nenne mich Paul
Zwischentöne: Baukörper
Begeistert (Ich bin unsichtbar)
Zwischentöne: Lift
Astoria verfallen
Souvenir, Souvenir
Zwischentöne: Blank
Dro[eh]nen aus dem rostigen Kellerherzen
Alles, nur das nicht!
Loreley
Fortsetzung folgt … 1

Bonus CD: Live 2013

Kai Meyer: Lesung, Teil 1 (Arkadien)
Song: Die Löcher in der Menge
Kai Meyer: Lesung, Teil 2 (Die Alchimistin)
Song: Die Gabe